THYLACINE
Mischa Düblin, Fabian Unold

Schein

Mischa Düblin (*1973, Basel) und Fabian Unold (*1977, Zürich) arbeiten seit 2004 unter dem Namen «Thylacine» (engl. Beutelwolf) als Künstlerduo zusammen und realisieren orts- und kontextspezifische Arbeiten. Ohne sich auf ein Medium oder eine Form festlegen zu wollen, ergibt sich durch das situationsbedingte Arbeiten des Duos eine Tendenz zum Performativen und zur Installation. Auch das Spiel mit dem Publikum oder der Miteinbezug von weiteren Schauspielern oder Performerinnen sind möglich.

Soziale Gefüge und ökonomische Mechanismen stehen im Zentrum von Thylacines Interesse. Ihre Kunst will nicht in den White Cube, sie funktioniert nicht in und für sich, sondern immer in Beziehung zur realen Welt. Kritisch, politisch und mit einer guten Prise Humor widmen sich die beiden bestimmten Berufsgruppen, untersuchen gesellschaftliche Machtstrukturen und machen sich diese Begebenheiten auch gerne mal zu eigen. Dabei ist ihre Kunst zwar prägnant und konsequent umgesetzt, in der Aussage lässt das Duo jedoch stets absichtlich Raum für Interpretation. Aus einer inhaltlichen aber auch konkret physischen Aneignung resultiert ein authentisches und überzeugendes Involviertsein der Künstler. So setzen sie sich etwa für «Schweigeminute» (2007) eine ganze Stunde dem direkten Strahl einer Schneemaschine aus oder sie pinkeln sich für eine Performance zum Thema Angst gleichzeitig in die Hosen («Stille Wasser», 2008).

Thylacines Projekte, Performances und Installationen gibt es immer nur einmal. Im Artachment sind die beiden Künstler allerdings bereits zum zweiten Mal zu Gast: Vor zehn Jahren haben Mischa Düblin und Fabian Unold auf Einladung von Raphael Bottazzini das allererste Projekt in dem kleinen Häuschen im Kleinhüninger Hafen realisiert. Nach genauem Beobachten der Situation vor Ort schenkte das Künstlerduo diesem damals noch sehr verlassenen und oft von Vandalen heimgesuchten Ort einen Bewohner. Sie installierten eine menschengrosse Puppe so im Häuschen, als würde ein im Raum sitzender Mann durch das Fenster an der Rückwand Fische angeln. Durch seinen neuen Bewohner wurde der Ort plötzlich wohnlich, wirkte eingerichtet und erhielt eine Verbindung zur Aussenwelt. Die Situation war so subtil (es gab keine Vernissage und keinen Hinweis auf das Kunstprojekt) und gleichzeitig derart realistisch, dass Passanten darauf aufmerksam wurden und die Polizei anriefen.

Heute, zehn Jahre später, sind Thylacine wieder da und stellen zeitgleich mit Roman Signer aus. Mit der neu entwickelten Arbeit «Schein» (2018) thematisieren die beiden das Aufeinandertreffen mit dem renommierten Schweizer Künstler, aber auch den 10-jährigen Geburtstag des Kunstraums: Dazu hängen sie einen Theaterscheinwerfer in einen Baum neben dem Kunstraum und versehen ihn mit einer Zeitschaltuhr, welche das An- und Ausschalten des Lichts in einem vordefinierten Rhythmus regelt. Ein Scheinwerferlicht bestrahlt normalerweise eine Attraktion, ein Star tritt darin auf, etwas Wichtiges erhält eine Bühne ... Doch das von Mischa Düblin und Fabian Unold installierte Spotlight schiesst (scheinbar) am Ziel vorbei. Der Lichtkegel beleuchtet weder das Jubiläum feiernde Häuschen, noch die Installation von Roman Signer, noch das Publikum. Die einzige Verbindung zum Haus bildet ein Stromkabel. Ansonsten bleibt Thylacines künstlerischer Eingriff im Grunde immateriell. «Schein» beleuchtet eine leer gebliebene Bühne, einen Unort, eine Lücke und wird damit zum eigenartigen und erfrischend nicht eindeutigen Hinweis.

Text: Lena Friedli
Fotos: Claude Gasser

www.thylacine.ws

Previous